Fach- und Führungskräfte der Zukunft: Neugierig, mutig und flexibel
Wie die Weiterbildung von Morgen aussieht, darüber spricht Margret Mergen, Präsidentin der Verwaltungs- und Wirtschaftsakademie Baden (VWA) in Karlsruhe e.V. im Interview. Die gemeinnützige VWA bietet Seminare und Lehrgänge für Fach- und Führungskräfte an. Seit November 2025 ist die Komm.ONE Mitglied der Akademie.
Die Welt wandelt sich, die Anforderungen an Fach- und Führungskräfte aus Verwaltung und Wirtschaft werden vielfältiger. Welche Themen werden im Bereich der Weiterbildung in den nächsten fünf Jahren im Zentrums stehen?
Margret Mergen: „Im Bereich Berufliche Bildung gehe ich davon aus, dass (Fach)Wissen an Bedeutung verlieren wird und stattdessen Methodenkompetenz immer wichtiger werden wird. In der Verwaltung wird es in naher Zukunft aufgrund des Fachkräftemangels und des demographischen Wandels vermehrt zu Automatisierung kommen. Die VWA Baden setzt daher auch vermehrt auf Weiterbildungsangebote zum Thema Robotic Process Automation (RPA) und auf Zertifikatslehrgänge wie den „Kommunalen Digitalisierungskoordinator“, der jährlich im Oktober startet und sehr praxisnah Kenntnisse unter anderem aus dem Projektmanagement, der Prozessdigitalisierung und der Organisationsentwicklung vermittelt. Auch Rhetorik und der produktive Umgang mit KI in den Kommunen sind zentrale Themen, die für Fach- und Führungskräfte in Verwaltung und Wirtschaft immer wichtiger werden und die wir daher an der VWA Baden in Karlsruhe online und in Präsenz anbieten. In den Kommunen besteht auch ein Bewusstsein für die Dringlichkeit dieser Themen, das sehen wir am Buchungsverhalten und an den Rückfragen, die wir bekommen."
Welche Rolle wird Künstliche Intelligenz spielen?
Margret Mergen: „KI wird im Bereich der Öffentlichen Verwaltung voraussichtlich eine große Rolle spielen. Es gibt viele Abläufe und Prozesse in den Ämtern und Behörden, die notwendig und wichtig und gleichzeitig gut automatisierbar sind. Da liegt für den Einsatz von KI großes Potential und die Kommunen werden angesichts der tiefgreifenden Veränderungen im Arbeitsmarkt nicht umhinkommen, diese Technologien einzusetzen. Ich hoffe darauf, dass die Kommunen gemeinsam und schnell ihre Bedarfe und Möglichkeiten erarbeiten und Institutionen wie die Komm.ONE dann gemeinsam mit den kommunalen Spitzenverbänden standardisierte Lösungen anbieten. So muss nicht jede kleine Gemeinde das Rad neu erfinden, sondern es kann auf gemeinsame Lösungen gesetzt werden. Das ist besser und billiger, als wenn jede Kommune eigene KI-Lösungen aufsetzt."
Fachwissen, Managementkompetenz, Soft Skills: Wo sehen Sie die größten Herausforderungen für Fach- und Führungskräfte in der nahen Zukunft?
Margret Mergen: „Die Fach- und Führungskräfte der Zukunft müssen vor allem neugierig, mutig und flexibel sein. Die KIs werden vieles schneller machen, als wir Menschen das viele Jahre lang getan haben. Gerade in der Verwaltung wirken da manchmal Beharrungskräfte, die gerne an Altbewährtem festhalten wollen. Aber weil die Welt sich ständig und schnell verändert, müssen auch wir in den Behörden und Amtsstuben das tun, manche Abläufe sind nicht mehr zeitgemäß und es gibt großes Potenzial für Weiterentwicklung. Dann sind die Verwaltungen vielleicht bald Vorreiter, wenn es um die Gestaltungen von bürgernahen, schnellen, effizienten und sicheren Strukturen geht. Daher: Neues wagen, nur Mut! Und natürlich ist ständige Weiterbildung der Schlüssel für gesundes persönliches und berufliches Wachstum und für gute Verwaltungsarbeit in der Zukunft. Ich bin froh, dass die VWA Baden in Karlsruhe mit über 400 Seminaren pro Jahr wichtige Arbeit leistet und sehr gute Angebote macht, die die Transformation der Verwaltung in Baden-Württemberg flankieren."
