"KI ist kein Ersatz für Fachkräfte"

Christoph Schnorrenberger lächelt in blauem Anzug in die Kamera

Christoph Schnorrenberger ist bei der Komm.ONE als Centerleiter für Innovationen zuständig. Um eben eine solche ging es am 2. Juli 2026 in einem Diskussionspanel beim Kongress Baden-Württemberg 4.0, zu dem er als Experte eingeladen war: Agentic AI. Um was genau es sich bei dieser Technologie handelt und welche Chancen sie für die Verwaltung eröffnet, verrät er im Kurz-Interview.

Herr Schnorrenberger, man hört und liest in letzter Zeit immer wieder den Begriff Agentic AI oder agentische KI? Was genau versteht man darunter?

Agentic AI geht einen Schritt weiter als klassische KI. Sie beantwortet nicht nur Fragen innerhalb eines Chats. Sie kann definierte Aufgaben eigenständig planen, Informationen aus verschiedenen Systemen zusammenführen und Prozesse vorbereiten oder sogar ausführen. Natürlich agiert sie dabei innerhalb von festgesetzten und vom Menschen klar vorgegebenen Regeln.

Wo und wie könnte diese Technologie in der öffentlichen Verwaltung hilfreich sein?

Vor allem bei Routineaufgaben. Sie könnte beispielsweise Anträge vorbereiten, Informationen aus Fachverfahren zusammenstellen oder Standardprozesse unterstützen. Solche Dinge leisten aktuell noch Menschen. Agentic AI könnte sie jedoch übernehmen. Das entlastet die Mitarbeitenden in den Kommunen und verschafft Ihnen mehr Zeit für die komplexeren Fälle oder für die persönliche Beratung von Bürgerinnen und Bürger.

Das hört sich erst einmal nach einer wesentlichen Arbeitserleichterung im Amts-Alltag an. In den kommenden Jahren gehen in Deutschland wahrscheinlich viele Fachkräfte in den Ruhestand, das betrifft auch die öffentliche Verwaltung. Könnte Kollege KI solche demographischen Entwicklungen abfedern und in Zukunft fehlende Sachbearbeiter ersetzen? 

Ersetzen? Nein. KI wird den Menschen nicht ersetzen, aber sie wird ihn wirksam unterstützen. Gerade angesichts des Fachkräftemangels kann Agentic AI helfen, die Produktivität von Mitarbeitenden zu steigern, indem sie ihnen wiederkehrende Standardaufgaben abnimmt und sie automatisiert. 

Die Verantwortung für Entscheidungen bleibt jedoch bei den Beschäftigten der Verwaltung. KI ist daher in dem Sinne kein Ersatz für Fachkräfte, sondern vielmehr ein wichtiges Werkzeug, um die Verwaltung auch künftig leistungsfähig zu halten.

Mehr erfahren:

Kongress Baden-Württemberg 4.0 2006
Interview mit der KI-Expertin der Komm.ONE