Baden-Württemberg 4.0: Zeit, dass sich was dreht!
Aufbruchsstimmung verbreitete der alljährlich Sommer-Kongress der Digitalisierungsprofis im Stuttgarter Maritim Hotel in diesem Jahr, nicht nur was die Themensetzung und die Keynotes anging. So voll wie am 2. Juli 2026 war es im Saal Maritim noch nie. Der Zuspruch war riesig. Erstmals konnten nicht alle teilnehmen, die sich gern angemeldet hätten. Einige Interessenten mussten vom Veranstalter, dem Behörden Spiegel, mit Bedauern abgelehnt werden aus Gründen der Raumkapazität. An Engagement und Begeisterung Baden-Württemberg moderner und digitaler zu machen, fehlt es offenbar hierzulande nicht.
Eine weitere Premiere gab es gleich bei der ersten Keynote. Die neue Chief Digital Officer von Baden-Württemberg Ronja Kemmer hielt die Eröffnungsrede, die einen Neustart propagierte mit Standardisierungen und Technologie als Treibern sowie dem Deutschland-Stack als neuem „kooperativem Ökosystem“. Digitale Transformation sei ein tiefgreifender Prozess, der Beharrlichkeit brauche. Aber wenn es in einem Land viel Beharrlichkeit gäbe, dann in Baden-Württemberg.
Wie sieht die Verwaltung von morgen aus?
Auch der Blick des Komm.ONE-Geschäftsleitungsmitglieds Bernd Krakau war bei seiner Keynote auf die Zukunft gerichtet. Er stellte fünf spannende Thesen dazu auf, wie sich nicht nur die Datennutzung und -verifizierung in den Ämtern wandeln wird, sondern das ganze Denken und Handeln: Die Verwaltung wird aus Menschen und Künstliche Intelligenz bestehen. Sie wird schneller und proaktiver werden, weil sie Daten austauschen kann und sie wird Robotik, Sensorik, Drohnen oder digitale Zwillinge einsetzen, um ihre Aufgaben außerhalb der Rathäuser zu steuern.
Wenn Babyphone, Kühlschrank & Co. Kommunen angreifen
In den Mittagsstunden ging es im Salon Hamburg dann um digitale Souveränität und Resilienz. Andreas Neumann, Centerleiter für Integration-, Security- und Application Management bei der Komm.ONE informierte gemeinsam mit Nicole Matthöfer, Präsidentin der Cybersicherheitsagentur Baden-Württemberg (CSBW), und Alexander Kapp von Myra Security darüber.
Die Gefahren nicht unterschätzen war der gemeinsame Appell. Denn Kommunen sind durchaus lohnende Ziele für alle, die Chaos und Unruhe stiften wollen. Nicht immer geht es den Tätern dabei um Geld, sondern auch darum Vertrauen zu zerstören. Das kann schon mit einfachen DDoS-Attacken gelingen. Wenn Systeme mit Anfragen von gekaperten Geräten aus aller Welt überflutet und in die Knie gezwungen werden, ist das weit mehr als nur lästig. Nicht selten ist das nur der erste Teil eines konzertierten Angriffs und dient der Zermürbung oder gar als Ablenkungsmanöver.
Schnellere und effektivere Ämter dank agentischer KI
Um ein weiteres hochaktuelles Thema ging es im Saal Maritim: Agentische KI und die neuen Möglichkeiten, die diese der Verwaltung bieten kann. In einer Sechser-Runde diskutierte Christoph Schnorrenberger, Centerleiter Innovation, Geschäftsfeldentwicklung und Beratung bei der Komm.ONE, gemeinsam mit Thomas Bönig (CIO/CDO, Landeshauptstadt Stuttgart), Frank Strotmann (Manager & Senior Consultant Enterprise Content Management, Materna), Maximilian Kerner (Referent für Innovation und digitale Transformation, Rechnungshof Baden-Württemberg), Dennis Gazdig (Account Manager Public Sector, TrendAI) und Yannik Dzelzkalns (AI Solution Architect, lector.ai).
Den zweiten Schritt nicht vor dem ersten tun, die Mitarbeitenden und vor allem die kleinen Kommunen ebenfalls mitnehmen, so der einhellige Tenor des Panels. Fazit: Ja, agentische KI, die selbst nach festgesetzten Regeln agiert und Sachbearbeiterinnen und Sachbearbeiter unterstützen kann, birgt weitaus mehr Potenzial und Produktivitätsgewinne für die öffentliche Verwaltung, als etwa klassische KI. Da aber selbst diese noch nicht überall Usus ist, muss ein besonderes Augenmerk darauf gerichtet werden, dass alle profitieren können und niemand zurückbleibt.
Registermodernisierung schreitet in Baden-Württemberg voran
Weniger Medienbrüche, mehr Tempo - Bernd Krakau hatte schon am Morgen in seiner Keynote angerissen, welche Vorteile die Registermodernisierung (RegMo) in Zukunft bringen wird. Vertieft wurde das Thema ab 14 Uhr von dem Komm.ONE-RegMo-Experten Dr. Georg Dinter, Margarete Jagusch (RegMo-Koordinatorin des Landes, Ministerium des Inneren, für Digitalisierung und Europa Baden-Württemberg), Manuel Brückner (Leitung Digitalisierung, Städtetag Baden-Württemberg), Lena Ritterswürden (publicplan), Yves Junker (Seven Principles) und Stefan Eichenhofer (SEITENBAU). "Booster für einen digitalen Staat" lautete der plakative Titel dieses Forums. Und das Interesse war so groß, dass der kleine Salon Darmstadt des Maritims übervoll war und die Tür offenbleiben musste, damit alle mithören konnten.
Kein Wunder, denn die heiße Phase beginnt. Es geht nun an die Umsetzung des wohl größten Digitalisierungsvorhabens Deutschlands. Soweit wie in Baden-Württemberg ist man durchaus nicht überall in Deutschland. Nicht jedes Bundesland hat auch das Glück, auf kommunaler Seite einen großen IT-Dienstleister als Partner zu haben. Je mehr Player, desto komplizierter wird es für die Bundesländer, ihre Spitzenverbände und die Kommunen. Zudem geht man im Ländle ausgesprochen koordiniert und partnerschaftlich vor, um diese riesige Aufgabe gemeinsam zu bewältigen. Lebhafte Diskussionen über den Einsatz von Adaptern zum Anschluss der Sicheren Anschlussknoten, den potenziellen Einsatz von Register as a Service und die konkreten Aufgaben der Kommunen führten zu einem interessanten Forum.
Sich zusammentun, Partner suchen, ein Netzwerk aufbauen – dieser Rat zog sich wie ein roter Faden durch Panels und Fachforen. Die Zeiten, in denen Kommunen Dinge alleine angehen konnten, sind vorbei. Dazu sind die Aufgaben und Herausforderungen mittlerweile einfach viel zu groß.
Kurz-Interview mit Christoph Schnorrenberger zu Agentic AI
Baden-Württemberg 4.0 2025




