Alarmstufe Cyber für Baden-Württembergs Behörden

Abwehr eines Cyberangriffs: Ein grünes Schild wehrt einen roten Pfeil ab, der digitale Ordner angreift

Größere Anspannung, neue Angriffsszenarien, mehr Attacken – Wir haben Björn Schemberger, Vizepräsident der Cybersicherheitsagentur Baden-Württemberg (CSBW) zur digitalen Sicherheit im Land befragt.

Die Bedrohungslage für Behörden hat sich verändert. Was ist neu? Welche Muster sind erkennbar? 
Björn Schemberger: Für Behörden hat sich die Bedrohungslage in den vergangenen Jahren deutlich verschärft. Angriffe sind heute professioneller organisiert, stärker automatisiert und häufig Teil größerer Kampagnen. Besonders beobachten wir eine Zunahme von Ransomware-Angriffen, gezielten Phishing-Kampagnen und der aggressiven Ausnutzung neuer Schwachstellen. Neu ist zudem, dass Angreifer zunehmend Künstliche Intelligenz einsetzen, um täuschend echte Phishing-Nachrichten, gefälschte Inhalte oder automatisierte Angriffskampagnen zu erstellen. Staatliche und kommunale Einrichtungen geraten dabei verstärkt in den Fokus, da sie wichtige Dienstleistungen für Bürgerinnen und Bürger bereitstellen.

Risikominimierung: Wie können sich öffentliche Einrichtungen schützen?
Björn Schemberger: Ein wirksamer Schutz öffentlicher Einrichtungen basiert auf einem konsequenten Zusammenspiel aus Prävention, Detektion und Reaktion. Zentrale Grundlage ist eine IT-Sicherheitsarchitektur nach Stand der Technik mit einem leistungsfähigen Schwachstellen- und Patch-Management, da viele Angriffe neue Sicherheitslücken ausnutzen.
Darüber hinaus spielt die Sensibilisierung der Mitarbeitenden eine Schlüsselrolle, da Phishing nach wie vor ein Haupteinfallstor ist. Ergänzend müssen Organisationen in der Lage sein, Angriffe frühzeitig zu erkennen und strukturiert darauf zu reagieren – etwa durch Monitoring, Incident-Response-Prozesse und regelmäßige Notfallübungen. Die CSBW richtet sich hier mit einem breiten Angebot an die öffentlichen Stellen im Land.

Welche Lehren lassen sich aus den aktuellen Hackerangriffen ziehen?
Björn Schemberger: Erstens: Angriffe erfolgen heute selten isoliert. Sie sind hochgradig automatisiert und arbeitsteilig organisiert – Schwachstellen werden systematisch gesucht und oft innerhalb kürzester Zeit ausgenutzt. Es kann eigentlich alle jederzeit treffen. Dabei spielen zunehmend auch KI-gestützte Methoden eine Rolle.
Zweitens zeigt sich, dass bekannte Sicherheitslücken weiterhin eines der größten Einfallstore sind, wenn Patch- und Updateprozesse nicht konsequent umgesetzt werden.
Drittens: Entscheidend ist die Fähigkeit, Angriffe frühzeitig zu erkennen und schnell einzugrenzen, um Schäden zu minimieren.
Die zentrale Lehre daraus ist: Cybersicherheit muss ganzheitlich gedacht werden. Sie basiert weniger auf einzelnen technischen Lösungen als auf der konsequenten Umsetzung grundlegender Sicherheitsmaßnahmen.

Björn Schemberger, Vizepräsident der Cybersicherheitsagentur Baden-Württemberg (CSBW)

Zur Person: Björn Schemberger
Björn Schemberger ist Vizepräsident der CSBW und seit 2022 Leiter der Abteilung Detektion und Reaktion. Zuvor war er im Innenministerium Baden-Württemberg tätig, unter anderem im Aufbaustab der CSBW sowie als stellvertretender Landes-CISO und stellvertretender Referatsleiter. Seine berufliche Laufbahn umfasst auch Stationen beim Landeskriminalamt in verschiedenen Verwendungen, u. a. in der Leitung der Inspektion Digitale Spuren im Landeskriminalamt Baden-Württemberg.

Mehr über das Thema 
... erfahren Sie beim Vortrag „Alarmstufe Cyber: Lagebild und Lehren für Baden-Württembergs Behörden“ von Björn Schemberger beim diesjährigen Cybersecurity-Tag der Komm.ONE am 25. Juni 2026 in der Stadthalle K3N Nürtingen. Hier geht's zum Programm und der Anmeldung

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