IT und KI: Wie die Abwehr von Cyberangriffen gelingt

Roboterhand und Menschenhand halt ein virutelles Bild "Cybersecurity" in der Schwebe

Hacker nutzen Künstliche Intelligenz für ihre kriminellen Zwecke. Doch KI kann auch zum Schutz eingesetzt werden. Cyber Security Incident Response Teams wissen, was zu tun ist. 

Die dunkle Seite der IT hat einen Vorsprung, keine Frage. „Cyberangriffe haben in den letzten drei Jahren mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz nicht nur an Quantität, sondern auch an Qualität zugenommen und ein neues Level erreicht“, sagt Mark Schimmer, IT-Sicherheitsmanager und Leiter des Cyber Security Incident Response Teams der Komm.ONE.

Auf allen Ebenen im Einsatz
Cyberkriminelle lassen KI auf verschiedenen Ebenen für sich arbeiten – strukturell und inhaltlich. Künstliche Intelligenz ist für Hackergruppen ein Werkzeug zur professionellen Planung und Umsetzung von Angriffen, sogenannten Kampagnen. So werden im großen Stil automatisierte Massenmailings versendet. Das Besondere dabei: Es handelt sich trotz hohen Volumens um personalisierte Schreiben. Während früher ein Standardtext für alle Empfänger verwendet wurde, werden die Botschaften heute auf den jeweiligen Leser zugeschnitten. Grundlage sind Daten, die aus kompromittierten Postfächern gestohlen wurden. „Eine KI kann beim E-Mail-Austausch sehr gut Sprachstile imitieren und passende Inhalte einfügen“, erläutert IT-Sicherheitsexperte Mark Schimmer. Darstellung, Dialoge, Kontext – alles erscheint beim flüchtigen Lesen stimmig. Dass eine KI die Kommunikation steuert, ist nicht auf den ersten Blick ersichtlich. 

Optimierte Attacken
Besonders ausgefeilt sind sogenannte Business E-Mail Compromise-Versuche, kurz BEC genannt. Dank zuvor gesammelten Informationen wird den angeschriebenen Mitarbeitern eines Unternehmens suggeriert, dass ein Businesspartner sie kontaktiert. Verweise auf die Dringlichkeit bauen einen fiktiven Zeitdruck auf. Ziel ist es, eine Finanztransaktion zu veranlassen. Das Beispiel BEC zeigt, dass auch KI-optimierte Angriffe vorwiegend 
eine Schwachstelle im Visier haben: den Menschen. „Unsere Aufgabe als CSIRT besteht daher nicht nur in der rein technischen Prävention, Detektion und Reaktion. Wir zeigen auch auf, wie Cyberkriminelle vorgehen und sensibilisieren unsere Mitglieder und Kunden“, sagt Mark Schimmer.    

Angriffe mit Analysen kontern
Wie lässt sich nun Künstliche Intelligenz zur Gefahrenabwehr einsetzen? „KI gelingt es besonders gut, Muster und Strukturen zu erkennen. Genau diese Fähigkeit nutzen wir“, erklärt Experte Mark Schimmer. Ein Anwendungsbeispiel ist die Auswertung von Daten moderner cloudbasierter Firewall-Lösungen. KI kann hier Angriffsmuster identifizieren. Diese Erkenntnisse ermöglichen es, entsprechende Gegenmaßnahmen zu ergreifen. Voraussetzung für den Einsatz der KI ist jedoch, dass eine ausreichend große Datenmenge zur Verfügung steht. Denn eine KI muss trainiert werden und benötigt hierfür einen gewissen Grundstock an Informationen. Dass dabei der Datenschutz gewährleistet wird, ist eine der großen Herausforderungen. Perspektivisch wird eine neue Kategorie von Cybersicherheitslösungen verstärkt zum Einsatz kommen, die Security Orchestration Automation and Response, kurz SOAR genannt. Dabei handelt es sich um eine automatisierte und standardisierte Zusammenfassung von Ergebnissen diverser Sicherheitstools. SOAR erstellt bei einem Sicherheitsvorfall schnell eine belastbare Auswertung, die dann von Expertenteams wie dem CSIRT weitergehend analysiert und bewertet wird. KI kann hier entsprechend zuarbeiten.Dies zeigt: Mit Expertise verknüpft, tragen KI-Anwendungen zur IT-Sicherheit bei. Es bedarf jedoch der Führung und Evaluierung durch ein erfahrenes Cyber Security Incident Response Team. Erst dann ist KI im Kampf für die IT-Sicherheit erfolgreich. 

Mark Schimmer, Komm.ONE Informationssicherheitsmanager und Leiter des Cyber Security Incident Response Teams, CSIRT

Auf dem Bild: Mark Schimmer, Komm.ONE Informationssicherheitsmanager und Leiter des Cyber Security Incident Response Teams, CSIRT

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